Bunker 42

File 140"Bunker 42" ist der Name eines Museums, das dem Alltag des Kalten Krieges gewidmet ist und sich in den ehemaligen sowjetischen Geheimgängen unter dem Stadtzentrum Moskaus erstreckt. Mit einer Lage in etwa 60 Metern Tiefe, einer Fläche von rund 7000 Quadratmetern und einer geheimen Anbindung an die Tunnelschächte der Moskauer Metro zählt die Bunkeranlage zu den ehemals geheimsten Orten der russischen Hauptstadt – und hat sich in der Moderne zu einem der größten Touristenmagneten für alle Geschichtsfans und Interessierte am Sowjetkult entwickelt.

Die Entstehungsgeschichte des "Bunkers 42" scheint aus der Retroperspektive weniger dramatisch, als sie es eigentlich war: was den Touristen des 21. Jahrhunderts einer unterhaltsamen Geschichtsstunde gleichkommt, war in der Hochphase des Kalten Krieges stets zu erwartende Realität für die mehreren hundert Angestellten des Bunkers. In Auftrag gegeben wurde die unterirdische Anlage, die sowohl gegen Atomstrahlung als auch als Kommandozentrale für Langstreckenraketen perfekt gerüstet ist und als militärisches Hauptquartier für den Ernstfall eines nuklearen Angriffs dienen sollte, Anfang der 1950er Jahre von Stalin höchstpersönlich. Tatsächlich besucht hat der große Diktator den Bunker allerdings nie: er starb drei Jahre vor dessen Fertigstellung. Nichtsdestotrotz verlor der "Bunker 42" erst in den 1980er Jahren im Zuge der internationalen Entspannung und der Zeit von Perestrojka und Glasnost seine entscheidende Bedeutung für die russische Staatsspitze.

Der "Bunker 42" befindet sich im südöstlichen Stadtzentrum Moskaus unweit der Metrostation Taganskaja und kann nur auf im Voraus gebuchten Führungen besichtigt werden. Nach dem Abstieg in die Tiefe – ganze 18 Etagen weit in die Unterwelt Moskaus reicht die Anlage – erwartet den Besucher eine überaus informative und praktisch orientierte Führung durch labyrinthartige Gänge, futuristisch anmutende Tunnel und verschiedene Ausstellungssäle. Hier gilt: Anfassen strengstens erlaubt. Ganz gleich, ob Funkgeräte, Waffenarsenal oder sonstige technische Spielereien - die Besucher des "Bunkers 42" kommen garantiert in direkten Kontakt mit der Geschichte. Ergänzt wird das vielfältige Tourprogramm durch eine kurze Filmvorführung über die Geschichte des Kalten Krieges und motivierte, in authentischen Uniformen gekleidete Tourguides. Einer der Bunkerabteile wurde inzwischen übrigens auch zu einem Nachtclub umfunktioniert – wem sein Besuch bei Tageslicht also besonders gut gefallen hat, der kann auch einfach nach Einbruch der Dunkelheit noch einmal wiederkehren.