Christ Erlöser Kathedrale

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Die Christ Erlöser-Kathedrale in Moskau ist das größte orthodoxe Gotteshaus Russlands und eines der wichtigsten administrativen Zentren der russischen Kirche. Vergleichsweise farblos, doch keineswegs bescheiden erhebt sich die Kirche unweit des Kremls am Ufer der Moskwa und erinnert an den Sieg des russischen Zaren über Napoleon im Jahr 1812.

File 200Irgendwie original, und irgendwie doch ein stückweit zu neu erscheint das Äußere des beeindruckenden Gotteshauses heute für den modernen Besucher: ein Widerspruch, der sich leicht mit der schicksalsträchtigen Geschichte der Christ Erlöser-Kathedrale erklären lässt. Bereits nach dem Sieg über Napoleon sollte es zunächst 70 Jahre dauern, bevor die immer wieder Änderungen unterworfenen Pläne zum Bau des Gotteshauses in die Tat umgesetzt und die Kathedrale schließlich unter einem völlig anderen Zaren als jenem, der siegreich in Paris eingeritten war, eingeweiht wurde. Ein halbes Jahrhundert später setzte die aufstrebende und bauwütige Sowjetmacht der Existenz des kunstvoll ausgestatteten Gotteshaus auch schon wieder ein jähes Ende: um auf dem strategisch günstig gelegenen Platz der Christ Erlöser-Kathedrale den Palast der Sowjets zu errichten, wurde die Kirche kurzerhand gesprengt.
Der Zweite Weltkrieg und der Tod Stalins führten dazu, dass der Bau besagten Palastes jedoch nie die Phase der Fundamentlegung überschritt, und statt als Grundstein für eine Kirche oder einen Palast zu dienen, wurde der gigantische Unterbau in den 1960er Jahren schließlich ins weltgrößte öffentliche Schwimmbad umgewandelt. Als solches zierte es auch das Zentrum Moskaus bis in die 1990er Jahre, als der Sturz des Sowjetregimes und das Ende des staatlichen Atheismus erstmals Pläne zum Wiederaufbau der Christ Erlöser-Kathedrale gestatteten.
In Angriff genommen wurde das Mammutprojekt schließlich unter der Leitung des Moskauer Bürgermeisters Luschkov im Jahre 1995. Die detailgetreue Rekonstruktion der Christ Erlöser-Kathedrale in der Rekordzeit von lediglich zwei Jahren wurde nicht nur zum Vorzeigeobjekt der zuständigen Moskauer Architekten, sondern auch zum Zeugnis der Hingabe der russischen orthodoxen Glaubensgemeinde: das extrem kostspielige Vorhaben wurde fast ausschließlich aus Spendengeldern finanziert.

Heute lassen die beeindruckenden, über 100 Meter hohen und gold glänzenden Türme der Christ Erlöser-Kathedrale nur noch schwer erkennen, welch turbulente Geschichte dem Gotteshaus zugrunde liegt. Dessen Inneres erstrahlt übrigens trotz seiner modernen Entstehungszeit in altbekanntem, freskenreichen Glanz – nur die Aussichtsplattform, die einen einmaligen Blick über ganz Moskau bietet, kann als zusätzliche, zeitgenössische Spielerei gesehen werden.