Dreifaltigkeitskloster Sergijew Possad

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Das Dreifaltigkeitskloster in Sergjew Possad zählt zu den UNESCO Weltkulturerbestätten Russlands und befindet sich etwa 70 Kilometer nordöstlich von Moskau. Trotz der Entfernung lohnt sich ein Besuch der komplexen Klosteranlage: Sergjew Possad wird nicht nur unter die schönsten Tagesausflugsziele der näheren Umgebung Moskaus gerechnet, sondern gilt auch als eines der bedeutsamsten religiösen und spirituellen Zentren Russlands.

File 248Gegründet wurde das Kloster in der Mitte des 14. Jahrhundert durch den Heiligen Sergej von Radonesch. In den darauffolgenden zwei Jahrhunderten entwickelte sich dessen Einsiedelei zunächst zu einer kleineren Klosteranlage und anschließend zu einer der befestigten Wehranlagen der Region, die sogar der anderthalbjährigen polnischen Belagerung zur Zeit der Wirren standhielt. Die heutigen beiden Hauptkirchen des Sergjew Possad Klosters, die Dreifaltigkeits-Kirche und die Mariä-Entschlafens-Kathedrale, entstammen ebenfalls dieser Zeit: während erstere eine der berühmtesten Ikonostasen Russlands und verschiedene Heiligenbilder des legendären russischen Ikonenmalers Andrej Rublev beherbergt, begeistert letztere mit architektonischer Finesse und farbenfroh verzierten Kuppeln im Sternenhimmelstil. Auch der Rest der Klosteranlage Sergjew Possads überzeugt mit kunstvoll bemalten und reich verzierten Objekten - darunter dem fünfstöckigen Glockenturm und der Kapelle des heiligen Brunnens.
File 278Vielleicht war die außergewöhnliche Schönheit des Dreifaltigkeitsklosters auch der Grund, warum russische Zaren das Kloster immer wieder für Pilgerreisen oder längere Aufenthalte auserwählten: so wohnten nicht nur Iwan der Schreckliche und Peter der Große, sondern auch die deutschstämmige Katharina die Zweite zu verschiedenen Zeitpunkten ihres Lebens in den heiligen Hallen und Zarengemächern des Klosters. Einer der russischen Zaren liegt in Sergjew Possad auch begraben: das Grab des Boris Godunow kann in einer gesonderten Gruft besichtigt werden.

Heute zählt das Dreifaltigkeitskloster in Sergjew Possad zu den wenigen Klöstern Russlands, die den Ehrentitel „Lavra“ tragen dürfen. Angesichts der entscheidenden Rolle, die das Kloster nicht nur in der politischen, sondern auch der religiösen Geschichte des Landes getragen hat, ist das kaum verwunderlich: so war das Kloster unter anderem auch die Heimat des Moskauer Patriarchen Nikon, der im 17. Jahrhundert die Spaltung der Orthodoxen Kirche herbeiführte, und der kurzzeitige Hauptsitz des gesamtrussischen Patriarchen in der Zeit des Kommunismus. Inzwischen haust das Oberhaupt der russischen Orthodoxie aber wieder im Danilow-Kloster in Moskau – der überragenden Bedeutung des Dreifaltigkeitsklosters hat dies aber keinen Abbruch getan.
Der Eintritt in Sergjew Possad ist kostenlos; wer seinen Besuch allerdings fotografisch dokumentieren möchte, muss eine gesonderte Lizenz dafür erwerben.