Freilichtmuseum Kolomenskoje

File 143Freilichtmuseum, Zarenresidenz und ehemaliges Achtes Weltwunder – zumindest in den Augen der Russen: Kolomenskoje, ein weitläufiges Parkgelände im südlichen Stadtzentrum Moskaus, zählt zu den beliebtesten Ausflugszielen der Moskowiter und bietet einen unvergleichlichen Einblick in die Lebenswelt des russischen Mittelalters. Mit einem im wahrsten Sinne des Wortes bunt durchmischten Ensemble an historischen Gebäuden und einer täglichen Besucherzahl von bis zu 10,000 Menschen zählt das Freilichtmuseum zu den beliebtesten Attraktionen der russischen Hauptstadt und ist ein charmanter Erholungsort zu jeder Jahreszeit.

File 335Ursprünglich war Kolomenskoje ein weit außerhalb der Stadtgrenzen Moskaus liegendes Dorf: im 13. Jahrhundert siedelten hier die ersten, zur damaligen Zeit noch finnisch-stämmigen Bauern. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich der Ort dann zu einem der architektonischen Lieblingsspielplätze verschiedener Zaren, erlebte indirekt Kriege und Revolutionen mit und sieht sich nun, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, mitten ins geschäftige Herz Moskaus eingegliedert. Seinen ländlichen Charme hat sich das Freilichtmuseum dank der sorgfältigen Planung der Stadtväter aber dennoch bewahrt – und lädt so zu ausgedehnten Spaziergängen in idyllischer Natur ein.
File 377Auf dem Gelände Kolomenskojes können heute sowohl religiöse Gebäude als auch verschiedene Zarenresidenzen besichtigt werden. Das älteste erhaltene Gebäude ist die Christi-Himmelfahrtskirche, ein weißes Prachtgebäude mit eigentümlicher Zeltdachkirche aus dem frühen 16. Jahrhundert, das anlässlich der Geburt Iwans des Schrecklichen errichtet wurde. Ähnlich sehenswert sind auch die Kirche der Gottesmutter von Kazan mit ihren sternenhimmelsgleichen Kuppeln aus dem 17. Jahrhundert, der Glockenturm des Heiligen Georg und die verschiedenen Pavillons und Ziertore des Geländes.
File 395Das unübertroffene Highlight des Kolomenskoje Freilichtmuseums ist der hölzerne Zarenpalast Zar Alexanders: zur Zeit seiner Erbauung im 17. Jahrhundert wurde er auch als das "Achte Weltwunder" bezeichnet. Leider fiel das Original des Palastes dem Eigenwillen Katharinas der Großen zum Opfer und wurde auf ihren Befehl hin komplett abgetragen, doch in einer aufwendigen Kampagne wurde die Residenz im Jahr 2010 aus originalgetreuen Bauplänen komplett rekonstruiert und erstrahlt nun in altem Glanz wieder im Herzen Kolomenskojes. Die unglaublich kunstfertigen, hölzernen Strukturen des Palastes wurden nach alter Bauart – ohne Nägel oder metallene Strukturen – wieder errichtet und beherbergen zahlreiche authentisch nachgestaltete Zarengemächer, bei deren prunkvoll-originalgetreuer Ausstattung weder Kosten noch Mühe gescheut wurden.
Weniger pompös, dafür nicht minder interessant ist auch die Blockhütte Peters des Großen, in welcher er dem Aufbau seiner Flotte im nordrussischen Archangelsk beigewohnt hat. In der Zeit des Kommunismus wurde auch diese nüchterne Zarenresidenz abgetragen und nach Kolomenskoje umgesiedelt – und bietet nun einen interessanten Kontrast zur Luxusliebe seiner königlichen Vorfahren.

Ein Spaziergang durch Kolomenskoje bietet Spannendes für Jung und Alt und macht einen jeden Besuch garantiert zum Erlebnis. Die Gelegenheit zu einem kleinen Bummel durch die umliegende Natur sollte man sich nach Möglichkeit nicht entgehen lassen – das Gelände des Freilichtmuseums zählt zu den schönsten Parks der russischen Hauptstadt und wird unter anderem für den Erhalt seiner jahrhundertealten Eichenhaine gerühmt.