Gorki Haus

File 167Das Gorki Hausmuseum befindet sich im Nordwesten Moskaus und zählt zu den eher unbekannten Hausmuseen der russischen Hauptstadt – wenn auch ohne ersichtlichen Grund. Die malerisch situierte und nicht nur aus literarischen Gründen überaus sehenswerte Rjabuschinski Villa, in der das Gorki Museum untergebracht ist, bietet sowohl Liebhabern der Sowjetliteratur als auch Architekturkennern eine Menge Sehenswertes - und lockt darüber hinaus mit einem kostenfreien Eintritt.

Maxim Gorki, der mit Nachnamen eigentlich Peschkow hieß und dessen Pseudonym so viel wie "bitter" bedeutet, zählt zu den renommiertesten Schriftstellern der frühen Sowjetunion. Ohne ein glühender Verfechter des Stalinkultes gewesen zu sein, gilt er dennoch als ein Revolutionär der ersten Stunde, der Lenin auch persönlich kennenlernte und sich intensiv mit der politischen Theorie des Kommunismus befasste. Vermutlich gegen seinen Willen wurde dem Schriftsteller im Jahre 1931 dann die höchste Ehre für seine Dienste in der "proletarischen Literatur" zuteil – Stalin höchstpersönlich schenkte ihm die Jugendstilvilla des exilierten Kaufmanns Rjabuschinski und bescherte dem Schriftsteller so einen Lebensstil von bislang ungekanntem Luxus. Für den Prunk seines neuen Zuhauses konnte sich Gorki angeblich allerdings nur wenig erwärmen – seine schriftstellerische Karriere hatte er zu diesem Zeitpunkt aber ohnehin beinahe beendet. Er starb im Jahr 1936.

Heute können in der zum Hausmuseum umgewandelten Villa die originalen Arbeitsräume Gorkis sowie die Privatzimmer seiner Frau und Kinder besichtigt werden. Neben der Bibliothek Gorkis zählen auch sein Schreibtisch, eine beträchtliche Anzahl privater Fotografien und verschiedene Schriftstücke zu den sorgfältig ausgewählten Ausstellungsstücken. Für jedes der Zimmer gibt es ausführliche Beschreibungen in unterschiedlichen Sprachen, sodass ein Besuch auch ohne Russischkenntnisse zu einem informativen Erlebnis wird.
Mindestens so sehenswert wie Gorkis Heim ist übrigens auch die Rjabuschinski Villa selbst: als Paradebeispiel für die Art Nouveau Bewegung des frühen 20. Jahrhunderts begeistert sie mit eleganten Formen, geschwungenen Linien und der unverkennbaren Kreativität der europäischen Moderne. Als besonderer Blickfang gilt die Wendeltreppe des Hauses, die in ihrer Gestaltung einer Meereswelle nachempfunden und von einer Lampe in Quallenoptik abgerundet wird – der aufmerksame Besucher dürfte allerdings auch in den übrigen Ecken des Hauses jede Menge verspielte Details und gelungene Verzierungen entdecken.