Gulag Museum

File 146Das Moskauer Gulag-Museum wurde im Jahr 2007 gegründet und beschäftigt sich mit einer der düstersten Epochen der russischen Vergangenheit: den Arbeits- und Gefangenenlagern des Stalinschen Terrorregimes. Das vergleichsweise kleine, aber überaus informative Museum befindet sich etwas versteckt in einem der Hinterhöfe der bekannten Prunkstraße Petrovka und entführt trotz räumlicher Beengtheit und ernüchternder Thematik auf eine spannende Reise durch die Weiten des sibirischen Hinterlandes und in lange verschwiegene Kapitel der russischen Geschichte.

Die Besucher des Gulag-Museums sind überwiegend ausländische Touristen. Moskowiter hingegen wissen nur selten von der Existenz dieser historischen Erinnerungsstätte und bringen so zum Ausdruck, was A. Antonov-Ovsejenko - Schriftsteller, Gründer des Museums und selbst Überlebender eines Gulags – zu seinen Lebzeiten stets kritisierte: die mangelnde Erinnerungskultur der russischen Gesellschaft und das Vergessen dessen, was nicht vergessen werden sollte. Als Sohn eines Revolutionärs der ersten Stunde, der genau aufgrund dieser Parteitreue früh ins Visier der Stalinschen Säuberungskampagnen rückte, sah Antonov-Ovsejenko es als seine Pflicht an, nicht nur sein persönliches Schicksal, sondern auch das tragische Erbe Millionen anderer russischer Familien ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit zu rücken. Seine Mission war erfolgreich: inzwischen hat das Gulag-Museum eine solche Berühmtheit erlangt, dass Pläne zu seiner Vergrößerung und zu einem Standortwechsel in Angriff genommen wurden.

Bis zur Umsetzung dieser Pläne findet sich das Museum aber weiterhin an seiner angestammten Adresse im nördlichen Stadtzentrum Moskaus. Der Eingang zum Gulag-Museum führt durch einen mit Stacheldraht versehenen Hinterhof, der mit den Portraits bekannter Gulagopfer und einem nachgebauten Wachturm versehen ist. In den Ausstellungsräumen kann man sich dann unter der fachkundigen Führung eines Angestellten mit Alltagsgegenständen aus dem Gulagleben, den geografischen Realitäten des Lagersystems und der Geschichte seiner Entstehung bekannt machen. Außerdem zählen auch eine nachgebaute Gulag-Barracke und ein spezieller Themenraum zu Leo Trotzki, Lenin-Widersacher und Stalinopfer der ersten Stunde, zur Ausstattung des Museums. Verschiedene, oft in internationaler Kooperation entstandene Wanderausstellungen ergänzen das didaktische Angebot des Gulag-Museums.
Alle Ausstellungsstücke sind mit ausführlichen Informationstafeln versehen, die sowohl in russischer als auch englischer Sprache angeboten werden.