Kazaner Kathedrale

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Die Kazaner Kathedrale liegt direkt im Zentrum Moskaus und ziert das nördliche Ende des Roten Platzes. Zwar zählt die Kirche nicht zu den größten, dafür aber zweifelsohne zu den charmantesten Gotteshäusern der russischen Hauptstadt: ihren Mangel an extravaganter Höhe oder Form macht sie ganz einfach durch eine bemerkenswert schillernde und ganz in der russischen Tradition stehende Farbgebung wieder wett. Zudem trägt das Gotteshaus auch patriotische Bedeutung für die Moskowiter: über die Jahrhunderte ist es zu einem bedeutenden Symbol des nationalen Widerstandes und des historischen Kampfes um die Unabhängigkeit Russlands geworden.

File 290Der Anlass für die Errichtung der Kazaner Kathedrale war ein historisch bedeutsamer Sieg: die erfolgreiche Verteidigung Moskaus gegen die polnische Invasion der Jahre 1612-13. Angeblich war es eine aus Kazan herbeigebrachte Ikone der Gottesmutter, die den Truppen der Heerführer Minin und Poscharski zum Sieg und zur Beendigung der monatelangen Belagerung der russischen Hauptstadt verhalf. Die Kathedrale, die fortan an die knappe Rettung des russischen Staates erinnern sollte, diente in den nachfolgenden Jahrhunderten als eines der zentralen Gotteshäuser Moskaus. Nach der Machtübernahme der Sowjets ereilte die Kazaner Kathedrale jedoch das gleiche, traurige Schicksal wie auch viele andere Gotteshäuser des Landes: sie wurde, ungeachtet ihrer historischen und kulturellen Bedeutung, Mitte der 1930er Jahre komplett abgetragen. Der Zufall wollte es, dass erst kurz zuvor bei Restaurierungsarbeiten detailgetreue Baupläne angefertigt wurden, die dann den Wiederaufbau einer exakten Replika innerhalb einer dreijährigen Bauperiode zu Anfang der 1990er Jahre ermöglichten.

Heute ist die Kazaner Kathedrale wieder ein aktives Gotteshaus, in dem auch Touristen den zumeist gesungenen Gottesdiensten beiwohnen können. Auch für Ausländer gelten hier allerdings die Regeln der orthodoxen Kirche: während Frauen so ihren Kopf bedecken müssen, sollten Männer Hüte und Kapuzen abnehmen. Wer einem kompletten Gottesdienst beiwohnen möchte, sollte außerdem eine gute Konstitution mitbringen: Sitzplätze gibt es in den russisch-orthodoxen Kirchen keine. Ein Besuch der Kirche lohnt sich aber auch für jene, die eher das prächtige Innenleben der Kathedrale bestaunen wollen: neben kunstvollen Wandbemalungen finden sich hier auch kostbare Ikonen – allen voran die namensgebende Ikone der Gottesmutter von Kazan.