Lenin Mausoleum

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„Ich bin nichts, die Gesellschaft ist alles“ – so soll sich der Politiker Wladimir Uljanow, der uns heute besser unter dem Namen Lenin bekannt ist, einst geäußert haben. Angesichts des Kultes, der um den ideologischen Begründer und Nationalhelden der Sowjetunion nach dessen Tod entstanden ist, scheint dieser Ausspruch heutzutage fast ein wenig ironisch – in Lenins Mausoleum ist es jedenfalls der große Revolutionär, der sich im Zentrum aller Aufmerksamkeit befindet.

File 338Die Errichtung eines besonderen Grabmals zu Ehren Lenins schien bereits zu dessen Lebzeiten beschlossen worden zu sein, fand die Errichtung des ersten und noch hölzernen Mausoleums doch unmittelbar nach dessen Tode im Januar 1924 statt. Die Besuchermassen, die sich in den nachfolgenden Monaten einstellten, überzeugten die Regierung letztendlich von der Notwendigkeit, aus dem als temporär angedachten Grabmonument Lenins ein dauerhaftes zu machen – und so wurde aus der zweiten, dauerbareren Holzkonstruktion 1930 schließlich das Granit- und Marmordenkmal, das auch heute noch im Schatten der Kremlmauer den Roten Platz in Moskau ziert.

Die Besuchszeiten im Mausoleum sind strikt geregelt und beschränken sich auf drei Stunden an fünf Tagen der Woche; innerhalb des wuchtigen, pyramidenförmigen Bauwerks im Sowjetstil herrschen andachtsvolle Stille und die ernsten Mienen der Wächter vor. Der einbalsamierte und im Anzug gekleidete Leichnam Lenins kann durch einen panzerglasgeschützten Sarg betrachtet werden, Stehenbleiben und Fotografieren ist allerdings untersagt – ebenso wie unangemessenes oder respektloses Verhalten.
20 Jahre nach dem Ende der Sowjetunion mehren sich die Stimmen in Russland, die für eine endgültige Beerdigung Lenins – und damit auch seines Kultes – sind. Doch wer eine der umstrittensten Epochen der russischen Geschichte begründet und auf wundersame Weise den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden hat, der hat einen besonderen Status in den Köpfen vieler Menschen und jenen der Regierungsspitze inne. Nach einer umfassenden Restaurierung des Mausoleums und des Körpers Lenins im Jahr 2012 wurde das Grabmal des großen Staatshelden Anfang 2013 jedenfalls wieder für Besucher eröffnet – und scheint den unsterblichen Ruhm des „Vaters der Nation“ noch für einige weitere Jahre zu bewahren.