Moskauer Metro

File 302Sie ist eines der effizientesten und zugleich eines der schönsten unterirdischen Transportsysteme der Welt: die Moskauer Metro. Das teilweise fast 90 Meter tief unter der Erde angelegte Mammutwerk Stalins erstrahlt auch über ein halbes Jahrhundert nach seiner Konstruktion noch immer in extravagantem Glanz und Glamour – und stellt die Untergrundbahnen anderer Weltmetropolen nicht nur mit seinen Dimensionen, sondern auch mit seiner Schönheit mühelos in den Schatten.

File 29912 Linien, knapp 200 Stationen, ein tägliches Passagieraufkommen von rund 9 Millionen Menschen und eine durchschnittliche Wartezeit von 90 Sekunden – bereits mit diesen bloßen Fakten macht sich die Moskauer Metro rekordverdächtig. Was die Einwohner und Gäste aus aller Welt aber tatsächlich fasziniert, sind die prunkvollen Stationen der Untergrundbahn: palastgleich zieren sie den Weg des alltagsgestressten Volkes und erweisen verschiedenen historischen Ereignissen oder Figuren des kulturellen Lebens Russlands eine künstlerische Hommage. Ob Marmor, Kronleuchter, Mosaikbilder oder Stuck – keine Mühe wurde gescheut, um der unterirdischen Welt Moskaus eine ebenso eindrucksvolle Grandeur zu verleihen, wie jener der Oberfläche.
Zu den schönsten Stationen der Moskauer Metro zählen die Mayavoskaya, die Prospekt-Mira und die Komsomolskaya Station. Während erstere Station dem großen russischen Poeten und Futuristen Wladimir Mayakovsky gewidmet ist und auch in ihrem Dekor einen modernistischen Rundumblick auf den sowjetischen Alltag bietet, überzeugt die Prospekt-Mira Station noch mit der klassizistischen Pracht vergangener Jahrhunderte und einer Reihe an stilvollen Ornamenten. Die Komsomolskaya Station thematisiert ebenfalls die russische Geschichte auf ihrem Weg zur kommunistischen Unabhängigkeit und besticht nicht nur mit glorreichen Fresken und barockem Chic, sondern auch mit einem majestätischen Kreuzgewölbe. Sehenswert sind außerdem die Kievskaya und die Belorusskaya Station, welche die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Russland und seinen beiden westlichen Nachbarländern Ukraine und Weißrussland darstellen und mit einigen Meisterwerken der Mosaikkunst verschönert wurden. Weitere Empfehlungen sind die Taganskaya, die Dostoevskij und die Arbat Station – sollte Ihr Weg durch Moskau Sie nicht ohnehin an diesen Stationen vorbeiführen, dann lohnt sich ein Besuch auf jeden Fall!

Fast alle der genannten Stationen befinden sich übrigens sehr praktisch auf oder in der unmittelbaren Nähe des braunen Zirkelrings der Metro. Glaubt man der Legende, so entsprang diese zeitsparende Verbindung aller Metrolinien allein einem Missverständnis: bei der Durchsicht der Pläne soll Stalin seine Kaffeetasse versehentlich so auf den Bauplänen abgestellt haben, dass diese in deren Mitte einen kreisrunden Abdruck hinterließ. Aus Angst, dem leicht erregbaren Staatsoberhaupt sein Missgeschick zu offenbaren, interpretierte man das Geschehene in einen genialen Gedankengang des Diktators um – und die braune Zirkellinie war geboren.