Neues Jungfrauenkloster

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Das Neue Jungfrauenkloster befindet sich in Moskaus südwestlichem Stadtzentrum und zählt zu den renommiertesten Klöstern Russlands. Als spirituelle Heimat eines Frauenkonvents, ehemaliger Rückzugsort von Zarengemahlinnen und Festungsstandort des Mittelalters wird das Neue Jungfrauenkloster nicht ohne Grund in seiner Bedeutung teils dem Kreml gleichgesetzt – und erweist sich nicht nur wegen seiner eigentümlichen Architektur als echter Blickfang im Stadtbild Moskaus.
File 365Gleich einer Mischung aus Festung und religiöser Stätte erhebt sich das im 16. Jahrhundert gegründete und in rot-weiß-goldener Farbenpracht erstrahlende Kloster auch heute noch am Flussufer der Moskwa. Dank ihrer strategischen Lage spielten die Wehranlagen des Klosters unter anderem bei der Verteidigung der Stadtgrenzen gegenüber den Krimtataren eine nicht zu unterschätzende Rolle – der Zerstörung bis auf die Grundmauern durch die polnische Belagerung Anfang des 17. Jahrhunderts konnte das Neue Jungfrauenkloster aber dennoch nicht entgehen.
File 383Dem Neuaufbau des Konvents folgte eine spirituelle wie auch kulturelle Blütezeit im Klosterleben: neben dem Bau neuer Kirchen wurden auch kunstfertige Gemächer für hochwohlgeborene Töchter und Verwandte der Zarenfamilie errichtet, um der neuen Funktion des Klosters als adelige Residenzstätte gerecht zu werden. Peter der Große nutzte diese Option ausgesprochen freizügig: er schob nicht nur seine rebellische Halbschwester Sofia, sondern auch seine erste Ehefrau in das Neue Jungfrauenkloster ab. Mit der Machtübernahme der Bolschewiken endete allerdings auch hier die geistliche Tätigkeit, doch im Gegensatz zu vielen anderen religiösen Stätten entging das Neue Jungfrauenkloster einem tragischeren Schicksal und wurde lediglich in ein Museum umgewandelt. Bereits 1945 – ein erstaunlich früher Zeitpunkt - wurde die Anlage an die Kirche zurückgegeben.
Heute können in dieser Klosteranlage verschiedenste Sehenswürdigkeiten besichtigt werden. Neben den barocken Kirchengebäuden und dem majestätischen, fünfstöckigen Glockenturm, die allesamt großzügig angelegte Ausstellungsräume und authentisch ausgestattete Gemächer beinhalten, lohnt sich auch ein Besuch des angrenzenden Klosterfriedhofs. Fernab von Ikonensammlungen, Ikonostasen, wertvollen Schriftstücken und einmaligen Alltagsgegenständen des 16. und 17. Jahrhunderts können hier die nicht minder kunstvollen Grabstätten einiger der berühmtesten Politiker, Schriftsteller und Musiker Russlands besichtigt werden. Die pittoreske Sicht auf das Kloster und den angrenzenden Ententeich, ganz gleich zu welcher Jahreszeit man das Kloster auch besucht, vervollständigt den Eindruck einer perfekten innerstädtischen Oase und ist vor der Klangkulisse der alltäglichen Nachmittagsmesse besonders bezaubernd.