Roter Platz

File 110

In Wahrheit ist er gar nicht rot, sondern schön: ein kleiner linguistischer Faux-Pas hat den Roten Platz (russ. Krasnaya Ploshad) seines eigentlichen Namens beraubt. Als Russland im 18. Jahrhundert immer öfter ins Blickfeld Westeuropas rückte, wurde statt der altrussischen Bedeutung des Wortes kurzerhand die modernisierte Fassung des Ausdrucks übersetzt - und aus dem wenig fantasievoll betitelten "Schönen Platz" wurde der bald symbolisch bedeutsame "Rote Platz". Ob nun aber kommunistisch rot, architektonisch schön oder schlichtweg beides zusammen – beim ersten Anblick des Roten Platzes rückt die Debatte um so eine Formalität ganz schnell in den Hintergrund und macht Platz für ehrfürchtiges Erstaunen.

File 374Seit dem 15. Jahrhundert schmückt der gewaltige Platz das Zentrum Moskaus und wurde Zeuge von Zarenkrönungen, Revolutionärsexekutionen und gigantischen Militärparaden. Der Triumphmarsch der Roten Armee im Jahr 1945 zählt zu den ikonischsten Ereignissen der Neuzeit, die das Zentrum Moskaus miterlebt hat - ein Schauspiel, das in den darauffolgenden Jahren des Sowjetregimes zu einer beliebten Tradition werden sollte. Inzwischen erfährt der Rote Platz Menschenansammlungen dieser Grandeur allerdings nur noch zum Tag Russlands und zum Jahreswechsel - und anstelle von Händlern, Soldaten und Bittstellern tummeln sich nun überwiegend Touristen und Brautpaare auf dem Herzstück der russischen Hauptstadt.

Der Rote Platz ist eine Sehenswürdigkeit, ohne deren Besuch eine Reise nach Moskau nicht vollständig wäre. Einige der wichtigsten Attraktionen der russischen Hauptstadt drängen sich hier förmlich aneinander und machen den Rundumblick über den Platz zu jenem eindrucksvollen Erlebnis, das Touristenherzen ein fürs andere Mal höher schlagen lässt. So schmückt das eine Ende des Roten Platzes die wohl bekannteste russische Kirche, die Basilius-Kathedrale, während sich zu seiner anderen Seite das nicht minder beeindruckende Staatliche Historische Museum erhebt. Zu den beiden Flanken des Platzes erstrecken sich die imposanten Mauern des Kreml mit dem Erlöserturm und dem Lenin Mausoleum sowie das Staatliche Einkaufszentrum GUM. Und als ob dem noch nicht genug wäre, gibt es in den Nischen und Ecken des Roten Platzes noch weitere Sehenswürdigkeiten zu entdecken – darunter die Kazaner Kathedrale und das Denkmal von Minin und Poscharski, den Befreiern Moskaus von der polnischen Oberherrschaft im 17. Jahrhundert.
Rot ist der Rote Platz dank der Baumaterialien seiner Sehenswürdigkeiten übrigens trotzdem - man kann ihn also ruhigen Gewissens auch weiter als solchen bezeichnen. Seiner ursprünglichen Bezeichnung macht er aber ebenfalls alle Ehre.