Uspenski Kathedrale

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Die Uspenski Kathedrale ist eine der Kathedralen des Moskauer Kremls und die historische Krönungsstätte der russischen Zaren. Zwar vermag das vergleichsweise nüchterne Erscheinungsbild der Uspenski Kathedrale kaum mit der äußeren Grandeur einer Westminster Abbey oder der Notre Dame mitzuhalten, doch der erste Eindruck täuscht: hinter der weißgetünchten und goldbekuppelten Fassade der Kirche liegt eines der eindruckvollsten Interieurs der russischen Kirchenwelt verborgen.

Der Bau der Uspenski Kathedrale begann im frühen 14. Jahrhundert und hatte zum Ziel, das Moskauer Fürstentum – zum damaligen Zeitpunkt eines von vielen, in Fehde untereinander stehenden russischen Fürstentümern – zum mächtigsten der bereits länger schwächelnden Kiewer Rus zu erheben. Nach einer Periode der Baufälligkeit sollte das Gotteshaus Ende des 15. Jahrhunderts dann von Grund auf erneuert werden, doch ein Erdbeben kurz vor seiner Fertigstellung brachte das gesamte Gebäude zum Einsturz. Der damalige Zar Iwan der Große sah dies als ein göttliches Zeichen für die Unzulänglichkeit seiner russischen Baumeister an und arrangierte stattdessen die Anreise des gefeierten Architekten Fiovaranti aus Italien. Dieser folgte dem Ruf des Zaren, beschäftigte sich eingehend mit den stilistischen Besonderheiten der Vorgängerkirchen der Mariä-Entschlafens-Kathedrale, wie sie auch genannt wird, und erschuf letztlich ein Bauwerk, das zugleich von wuchtiger Eleganz und dauerbarer Schönheit war - Fiovarantis Version der Uspenski-Kathedrale hat nicht nur den Überfall der napoleonischen Truppen, sondern auch die kommunistische Enteignung des frühen 20. Jahrhunderts beinahe ohne Schäden überstanden. Seit 1990 befindet sich die Kathedrale wieder unter der Hoheit der Orthodoxen Kirche und wird unter anderem für Gottesdienste an staatlichen Feiertagen genutzt.

Das Innenleben der Uspenski-Kathedrale besticht heute wie damals mit atemberaubender Pracht und einem wahrhaft königlichen Aussehen. Sowohl die Wände als auch die Säulen der Kathedrale sind vom Boden bis in die Gewölbe der Kuppeln hinein mit kunstvollen Wandmalereien verziert, welche die verschiedenen Nationalheiligen der orthodoxen Kirche und bekannte Bibelszenen in gewohnt russischer Farbenpracht abbilden. Neben der unschätzbar wertvollen Ikonostasis aus dem 17. Jahrhundert, in deren filigrane Holzfragmente einige der kostbarsten Ikonen des Landes eingebaut wurden, zählen auch die reich verzierten Grabstätten verschiedener russischer Patriarchen und Metropoliten sowie der holzgeschnitzte Zarenthron aus dem 16. Jahrhundert zu den einzigartigen Kostbarkeiten der Kirche. Einen Besuch in der Uspenski Kathedrale sollte man sich so auf keinen Fall entgehen lassen – selbst oder vor allem dann, wenn die Zeit lediglich für die Besichtigung einer der Kathedralen des Kremls reicht.